Kategorie “Fotobildbände” Siegertitel – Gold
“Ulrich Mack Ruhrgebiet 1959″, mit einem Text von Hans-Michael Koetzle, Gestaltung Horst Moser, erschienen im Moser Verlag
Der Drucker Dieter Kirchner hat diese Produktion maßgeblich geprägt: “Geprägt” ist in diesem Fall buchstäblich zu verstehen – auf jeder Bildseite sitzt ein kleiner Prägestempel unten im Eck: SKIA Photography. Das ist für jeden Fotopassionierten der reine Wahnsinn auf Papier. Der Clou beim SKIAVerfahren ist: das Schwarz. Dieses Schwarz ist ganz besonders SCHWARZ.
Man kann sich allerdings die passenden Motive aussuchen, um es auszuloten. Zum Beispiel die Bilder, die ein junger Mann 1959 vom Ruhrpott gemacht hat. Ulrich Mack war 25, hatte ein Fahrrad, ein paar Filme, eine leica mit zwei Objektiven, und 14 Tage Zeit. Übung hatte er auch einige, sowohl im Bergbau, wo er Akkord gekloppt hatte, um seinen lebensunterhalt zu verdienen, als auch im Bildermachen. Mack war Student beim Hamburger Grafik-Großmeister Alfred Mahlau, übrigens zusammen mit Horst Janssen und loriot. Und die Tour ins Ruhrgebiet war so etwas wie eine studentische Fingerübung, kein Auftrag, keine Reportage, kein Kunstanspruch. Sondern, wie HansMichael Koetzle schreibt: “Die Suche nach einem ersten, ganz und gar eigenen Bilderkosmos. Nach einer Sprache mit fotografischen Mitteln. Nach einer Syntax durch den Sucher.”
Es hat nach diesen zwei Wochen noch mal 50 Jahre gedauert, bis das Ergebnis der Mackschen Suche gebührend gewürdigt wurde. Aber schneller ging es nicht. Denn Dieter Kirchner musste ja erst noch die beste aller Methoden erfinden, ein Foto zu drucken. Mit ganz viel Ruhrkohlrabenschwarz.
Herzlichen Glückwunsch!

Kategorie “Fotobildbände” I Siegertitel- Silber
“Blackout New York”, von Rene Burri, mit einem Text von Hans-Michael Koetzle, Gestaltung: Franziska Misselwitz und Claudia Diem, erschienen im Moser Verlag
9. November 1965: Rene Burri, 33 Jahre alt, bereits ein erfahrener, erfolgreicher Fotograf, Mitglied von Magnum, und bei seinem Freund Elliot Erwitt zu Gast, direkt gegenüber des New York Plaza Hotels. Die Dämmerung senkt sich über die Stadt, Burri ist dabei, Filmaufnahmen zu schneiden, die er kurz zuvor in China machen konnte, als einer der ganz wenigen Journalisten weltweit. Da bleibt plötzlich der Projektor stehen, die Lampe erlischt, und Burri sitzt im Dunkeln. Als er sich zum Fenster tastet und hinausschaut, ist es draußen so düster wie zu Anbeginn der Zeiten, und das mitten in Manhattan. Es geht in diesem Moment etwa 25 Millionen Leuten in Südost-Kanada und Nordost-USA genauso wie Rene Burri. Sie alle haben keinen Strom mehr, weil jemand in einem Kraftwerk nahe der Niagara-Fälle eine Sicherung falsch eingesetzt hatte. Das weiß Burri zwar nicht, aber er weiß, dass man ein dermaßen nachtschwarzes New York nicht oft geboten bekommt. Also stopft er alle greifbaren Filme in die Tasche, genau gesagt 8 Stück, und läuft los. In den folgenden sechseinhalb Stunden belichtet er das gesamte Material, so gut es eben geht, wenn nur der Mond, die Innenbeleuchtung von Bussen, Autoscheinwerfer, Taschenlampen und Kerzen zur Verfügung stehen, um Avenues, Bahnhöfe und Wolkenkratzer auszuleuchten. Und wenn die Filme, die man zur Verfügung hat, eigentlich für Tageslicht gedacht sind.
Das Ergebnis ist dennoch beeindruckend. Und das nicht nur, weil Burri ein guter Fotograf ist, sondern auch, weil das Buch sorgfältig gedruckt und schön gestaltet ist. Und, nicht zuletzt, weil es die allerste Publikation dieser Bilder überhaupt ist.
Herzlichen Glückwunsch!

Die Pressmitteilung finden Sie hier.